BIO gilt auch für Verpackungen

Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich sind erfreulich sensibel dafür geworden, dass immer mehr Bio in ihre Einkaufswägen und Mägen wandert. Worin die Bioware allerdings verpackt wird, da ist im wahrsten Sinne des Wortes noch Luft nach oben – denn wo Bio drinnen ist, befindet sich oft viel Plastik drum herum. GRAZ ISST GRAZ hat sich auf die Suche nach den umweltfreundlichsten Verpackungsmaterialien begeben und wurde glücklicherweise fündig …

… etwa bei den kompostierbaren Netzschläuchen. Sie befinden sich seit 2013 in Österreich im Einsatz, beispielsweise bei Biokartoffeln, bei Bio-Roten-Rüben, Biozwiebeln, Zitrusfrüchten und Rettich. Hochrechnungen zufolge ließen sich dadurch bereits 2,3 Tonnen Plastik einsparen – eine unglaubliche Menge! Und genau genommen sind wir damit noch lange nicht in den grünen Zahlen.

PlastikmüllRichten wir nämlich unseren Blick in den Pazifik, schockiert eine andere Hochrechnung, nämlich jene der dort treibenden Müllmenge (Great Pacific Garbage Patch genannt), die in etwa der Fläche ganz Deutschlands gleicht. Es handelt sich dabei um ins Meer gekippten Verpackungsmüll. Es besteht also dringender Bedarf daran, den ökologischen Fußabdruck auch bei Verpackungen geringer zu halten.

Dasselbe dachten sich zwei Öko-Innovatorinnen, Susanne Meininger und Bettina Reichl vom Verpackungszentrum Graz, denen mit kompostierbaren Netzschläuchen ein großer Marktdurchbruch gelang. Die Expansion in internationale Märkte wird intensiv vorbereitet. Ein langer Weg war es bis dahin, denn die spektakulären Forschungsarbeiten erfreuten sich zwar großer Beliebtheit, aber der Markterfolg ließ auf sich warten. Kompostierbarer Schaumstoff aus Algen und Biokunststoff der Zukunft schlugen nicht ganz so ein wie das Produkt, das seit 2012 mit viel Verstand und Herz entwickelt wurde: kompostierbare Netzschläuche aus Buchenholz-Zellulose, zu 100 Prozent Natur!

Kompostierbare Netze bzw. Netzschläuche aus der Zellulosefaser Modal erfüllen Kriterien rund um Umweltfreundlichkeit und Geringhaltung des Einsatzes fossiler Ressourcen: kurze Transportwege, schnelle, regionale Verfügbarkeit, wertvolle Zwischennutzung und Kompostierbarkeit. Das zugrunde liegende Material ist Buchenholz, das zu einem Drittel aus Österreich gewonnen wird, der Rest stammt aus Mitteleuropa, aus PEFC- oder FSC-zertifizierter Landwirtschaft – zwei Forstzertifikate, die für hohe Anforderungen an die Nachhaltigkeit, die Umweltverträglichkeit der Waldbewirtschaftung, die Arbeitsqualität und die soziale Kompetenz in den Betrieben stehen.

Erzeugt wird die umweltfreundliche Zellulose zu einem großen Teil von der Lenzing AG in Oberösterreich, weiterverwertet werden die Materialien im steirischen Neudau. Dort werden die Rohfasern zu speziellen Garnen gedreht und zu Verpackungsnetzen weiterverarbeitet. Organisationen wie Marchfeldgemüse und andere Abpackbetriebe füllen das Biogemüse in die atmungsaktiven Naturnetze, eine der umweltfreundlichsten Verpackungsarten. Beim Entsorgen darf das Netz mit auf den Kompost wandern und wird so zur Wachstumsgrundlage anderer Lebensmittel.

Bio-Netzschläuche aus Lenzing Modal Buchenholzzellulose (Foto: VPZ.at)
Bio-Netzschläuche aus Lenzing Modal Buchenholzzellulose (Foto: VPZ.at)

Welche Vorteile haben Verpackungen, die aus Naturstoffen bestehen?

Es ist etwa 50 Jahre her, seit das Plastiksackerl in seiner heutigen Form die Supermärkte und – weil es nicht verrottet – auch die Welt überschwemmte. Die Natur kann Plastik nicht abbauen, es ist hunderte Jahre haltbar. In grauer Vorzeit dienten Hanf- und Leinensäcke dem Transport von eingekaufter Ware. Und heute geht die Tendenz zum Glück wieder in diese Richtung: Verpackungen aus Naturmaterial zu erzeugen, mit modernen Qualitätsansprüchen. Und diese lauten: Schonung der Umwelt während des gesamten Produktionszyklus, alleinige Verwendung von Naturstoffen, aber auch Reißfestigkeit. Gegenüber Kunststoffsäcken ist auch die Abfallproduktion deutlich verringert, ebenso die Emission bei der Erzeugung. Variiert man das Webverfahren, sind von engmaschig bis leicht gewoben und blickdicht sämtliche Varianten möglich. Ein Zugband am oberen Rand ermöglicht eine vielfältige Verwendung.

Hanf, Flachs, Zellulose und Baumwolle gelten als nachwachsende Rohstoffe. Werden sie verwoben, sind sie als Naturfasern feuchtigkeitsregulierend und atmungsaktiv einsatzfähig, wodurch Obst und Gemüse länger frisch bleiben und Schimmelbildung verhindert wird.

Aktuell befasst sich auch die Fabrik der Zukunft in Graz, eine Kooperation des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), mit der Herstellung von reißfesten Naturgeweben, vor allem in Hinblick auf einen besonderen Mehrwert bei der Entsorgung. Neben der klassischen Verpackung von Obst, Gemüse oder Saatgut rückt dort auch der weitreichendere Einsatz in den Fokus, etwa als Alternative zu Strohballenverpackungen oder Sandsäcken im Hochwassereinsatz, deren Hüllen bislang bei der Entsorgung mühsam vom Sand getrennt werden müssen, da sie aus Kunststoff bestehen. Werden zukünftig Säcke aus Naturgarnen hergestellt, entfallen aufwendige Trennverfahren und Entsorgungsschritte, die bisher nötig waren.

Mehr dazu lesen: Herstellung von reißfesten (Netz-)Geweben aus Naturgarnen

Weiterführende Forschungen rund um biologische Verpackungen befassen sich mit vertiefenden Themen, zum Beispiel damit, wie die natürlichen Netze zukünftig innovativ und rein pflanzlich gefärbt werden können. Dabei handelt es sich um das Forschungsprojekt Colors of Nature des Instituts für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck. Pflanzenfarbstoffe werden dabei aus nachwachsenden Roh- bzw. Reststoffen wie Rinden oder Schalen gewonnen. Auch will man zukünftig auf die Metallklammer zum Verschließen verzichten und sie durch eine spezielle Knüpftechnik ersetzen.

Durch die Entwicklung von kompostierbaren Schlauchnetzen wurde vom VPZ Verpackungszentrum ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan. Weitere wertvolle Schritte im Sinne einer Weiterentwicklung auf ganzer Linie sind uns von GRAZ ISST GRAZ auch anderen Unternehmen aufgefallen: Papiersäcke, Holzschliffschalen für Erdbeeren und anderes Obst, Pulpeverpackungen aus Altpapier oder Karton, Schalen aus Zuckerrohrüberresten, Einweggeschirre aus Bioplastik oder Tragetaschen aus Industriekartoffeln, sogenannte Bioplast-Sackerl. Wir wünschen uns, dass in unserer grünen, umweltbewussten Stadt auch die Entwicklung und der Vertrieb kompostierbarer Verpackungsmaterialien auf dem Vormarsch sind. Denn für GRAZ ISST GRAZ gilt Bio auch für Verpackungen – und Kampf den Plastiksäcken!

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