Prost: Wie bio Weinanbau und -konsum sein können

Durchschnittlich 29 Liter Wein pro Kopf und Jahr lassen sich die Österreicherinnen und Österreicher schmecken. Und erfreulicherweise nimmt der Anteil der Bioweine stetig zu. Auch die Steiermark ist vorbildlich unterwegs!

Weinglas und TraubenKnapp 2.400 Hektar Bioweingärten schmücken das österreichische Hügel- und Flachland, das sind etwa fünf Prozent der gesamten Weinfläche in Österreich. Die wird mit knapp 45.600 Hektar beziffert, woraus über zwei Millionen Hektoliter Wein gewonnen werden – eine unvorstellbare Summe! Stolze 80 Prozent davon sind Qualitäts- und Prädikatsweine, 15 Prozent sind Tafel- und Landweine, 5 Prozent entfallen auf andere Weine. Die unterschiedlichen Bezeichnungen geben Aufschluss über die Herkunft der Trauben, über geltende Höchstertragsmengen und die Zuckerreife der Trauben bei der Ernte. Staatliche Kontrollen gewährleisten das Einhalten der Qualitätsbestimmungen. Und wenn hochwertiger Wein dann auch noch bio ist, schlägt das Herz von GRAZ ISST GRAZ höher!

Negativauswirkungen für die Umwelt

Der konventionelle Weinanbau ist bezüglich negativer Umweltauswirkungen ein Übeltäter, da er die Landwirtschaft auf intensive Art fordert, etwa durch den hohen maschinellen Aufwand, der den Boden stark beansprucht und große Mengen CO2 freisetzt. Auch benötigt er große Mengen an mineralischem Dünger und an Pflanzenschutzmitteln, die die Artenvielfalt bedrohen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Auswaschungen und zu Grundwasserverunreinigungen oder nach dem Einsatz von Kunstdünger sogar zu Lachgasemissionen, die treibhausgasähnlich wirken. Ein ganz schön hoher Preis für unsere edlen Tropfen! Aber wie sagte schon Euripides im 5. Jahrhundert vor Christus:

Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens.

Damit der Reiz des Lebens auf keinen Fall (wein)flöten geht, ist auch bei diesem Agrarerzeugnis darauf zu achten, dass die Klima- und Umweltschutz bedrohenden Prozesse im Anbau minimiert werden. Das leistet etwa biologische Weinproduktion, die mehrere Aspekte berücksichtigt.

Voraussetzungen biologischer Weinproduktion

Damit die unverzichtbare Gaumenfreude trotz aufwendiger Herstellung unserer Erde nicht schadet, kommen alternative Weinanbauverfahren zum Einsatz. Ein Baustein davon ist der integrierte Pflanzenschutz, der darauf abzielt, Pflanzenschutzmittel sehr gezielt, in kleinstmöglichen Mengen und optimalen Kombinationen einzusetzen. Vorrangiges Ziel dabei ist, die Umwelt möglichst wenig zu beeinträchtigen. Biologische, mechanische und biotechnische Maßnahmen lösen dabei chemische Pflanzenschutzmittel so weit wie möglich ab.

Weinbau – organisch und biologisch

Bei dieser Form der Weingewinnung geht man bezüglich Umweltschutz noch einen bedeutenden Schritt weiter: Leicht wasserlösliche Düngemittel und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind verboten! Biologische Pflanzenschutzverfahren sollen gewährleisten, dass die Fruchtbarkeit des Bodens erhalten bleibt und dass dieser auch keinen Schaden nimmt. Standortangepasste Bearbeitungsmaßnahmen, natürliche und in sich abgeschlossene Stoffkreisläufe, ein abgestimmtes Begrünungsmanagement sowie Kontrollen durch sieben in Österreich zugelassene Kontrollstellen sorgen für die Einhaltung der EU-Richtlinien und der Bioverbände. Im Fokus stehen eine ausreichende Nährstoffversorgung und die Beachtung von Selbstregulationsmechanismen für ein intaktes Ökosystem und hohe Widerstandsfähigkeit.

Weinbau – biologisch und dynamisch

So wie viele Wege nach Rom führen – wo bekanntlich schon im Mittelalter gerne tief ins Glas geschaut wurde –, gibt es auch in der Weingewinnung mehrere vorteilhaftere Anbauweisen, die einander teilweise ähneln. Dazu zählt auch die biologisch-dynamische, die speziell eine schonende Bodenbearbeitung unter Berücksichtigung ganzheitlicher Aspekte der Boden- und Pflanzenbedürfnisse in den Mittelpunkt rückt. Natürliche Stoffkreisläufe, Selbstregulationsmechanismen und eine artenreiche Fruchtfolge sorgen im besten Fall für widerstandsfähige Kulturpflanzen, bei denen sogar kosmische Einflüsse mitberücksichtigt werden. Auch hier ist alles Chemisch-Synthetische verboten. Gegen Pilzerkrankungen kommen beispielsweise Kupferspritzungen zum Einsatz, die nach strengen EU-Richtlinien reglementiert sind.

WeinglasDie Vorteile dieser biologischen Weinproduktion liegen klar auf der Hand: Aufgrund des Verbots giftiger Stoffe bleibt das Grundwasser in höherem Maße unbelastet, wodurch auch die Weinrebe selbst von Pestiziden, Nitraten und dergleichen weitgehend frei bleibt. Der Boden ist rundum gesünder, fruchtbarer und selbsterhaltend, was eine größere Artenvielfalt begünstigt. Außerdem ist Gentechnik EU-weit ausgeschlossen – alle Reben und zur Herstellung eingesetzten Hefen sind somit gentechnikfrei. Auch wird der Einsatz von wiederverwertbaren Pfandflaschen statt Einwegflaschen bevorzugt, da tatsächlich in der Produktion knapp die Hälfte der CO2-Emissionen, gerechnet pro Liter Wein, für die Entsorgung und Wiederherstellung der Flaschen anfällt.

Genau mit dieser Thematik befasst sich ein steirisches Projekt: Die ALLWEG Steiermark-Weinflasche – der Steirische Wein setzt auf Wiederbefüllung, so lautet das Motto. In Kooperation mit den Weinbauern der Region ist das Ziel, den Anteil der wiederbefüllbaren Flaschen von 35 auf 50 Prozent zu erhöhen, um einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung zu leisten.

Wein aus der Region zu kaufen, birgt somit eine Reihe von Vorteilen:

Regionalität verhindert transportbedingte Umweltauswirkungen, sie gewährleistet die Einkommenssicherheit der ansässigen Produzentinnen und Produzenten, erhöht die regionale Wertschöpfung, erhält die Infrastruktur, die Arbeitsplätze vor Ort und die Kulturlandschaft und sorgt für die Erhaltung traditioneller Kenntnisse und typischer Rezepte.

Worauf ist beim Weinkauf zu achten?

Die Verpackung verrät, ob Bio drinnen ist: Ein Bio-Label kennzeichnet hochwertige Bioprodukte, die unter Einhaltung der EU-Bioverordnung hergestellt wurden. Auch sozial faire Arbeitsbedingungen und umwelttechnisch intelligente Verpackungen sind bei einem solchen Qualitätslabel wichtig. Wer nicht einzig auf Österreich als Weinland setzen will, sollte beim Kauf importierter Weine auf das FAIRTRADE-Gütesiegel achten. Es gewährleistet faire Entlohnung bei der Produktion und menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

Biowein Steiermark – ein gesunder Kreislauf

Eine besondere Weinkultur widmet sich in der Steiermark dem Vorhaben, den Menschen in die Verantwortung zu nehmen, sich selbst als Teil der schützenswerten Natur zu sehen und auch aus diesem Grund Böden, Gewässer und Luft zu erhalten. Unter dem Namen Biowein-Steiermark/Štajerska Slovenija wird Wein produziert und vertrieben, der aus Weingärten stammt, in denen die natürliche Bodenfruchtbarkeit bestehen bleibt. Das Motto lautet: Geringere Erträge garantieren Qualität! Rebstock und Traube werden von Hand gepflegt, die Weine werden in Kellern gelagert und zeichnen sich durch Kraft und Frische aus. In Kooperation mit den staatlich zertifizierten Biokontrollstellen in Slowenien werden die Partnerweingüter geprüft.

Steirische Biowinzer befassen sich auch intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit. Das schlägt sich beim Wein beispielsweise in der Behandlung der Bodenschichten und der Reben nieder. Teilziel ist es, die optimale Nährstoffaufnahme zu ermöglichen, den Humusaufbau zu fördern und eine vielfältige Pflanzen- und auch Insektenwelt zu erhalten. Derzeit wird an sogenannten PIWI-Reben geforscht, die gegen Pilzerkrankungen weitgehend resistent sind und daher kaum gespritzt werden müssen. Diese Arbeitsintensität wird mit einem verdientermaßen guten Ruf belohnt. Und nimmt man die südsteirische Weinstraße genauer unter die Lupe, wird deutlich, dass diese erfreuliche Tendenz Schule unter den Winzerbetrieben macht.

Vegane Köstlichkeiten

Otto Knaus
Otto Knaus verkauft vegane Bioweine

Wer nicht nur beim Trinken auf Umweltfreundlichkeit im Sinne des Bioweins setzen will, wird etwa bei der veganen Buschenschank in Riegersburg bestens verköstigt. Dass es sich bei veganen Brettljausen nicht nur um einen Trend handelt, haben aber längst auch andere Betriebe erkannt, die auf ihrer Speisekarte vegane Gerichte und Weine anbieten, etwa das Bioweingut mit Buschenschankbetrieb von Otto Knaus im Sulztal.

Wein kann auch klimaneutral sein

Im Burgenland ist man auf einen weiteren lobenswerten Zug aufgesprungen: Dort ist Birgit Braunstein zur klimaneutralen Weinproduktion übergegangen, die sehr gewissenhafte Vorbereitung erfordert. Aufwendige Teilschritte beim Anbau, genau analysierte Ernte- und Verarbeitungsprozesse und anhand von erhobenen Daten ausgerechnete, ökologisch sinnvolle Maßnahmen lassen dort einen klimaneutralen Wein entstehen. Diese Gewissenhaftigkeit macht Wein zu etwas Besonderem, zu einem hoch zu schätzenden Gut regionaler Produktion, wie auch der deutsche Philologe Friedrich Martin von Bodenstedt im 19. Jahrhundert feststellte, als er sagte:

Der ist nicht wert des Weines, der ihn wie Wasser trinkt.

Alkohol, speziell Wein, erfreut sich seit Jahrhunderten großer Beliebtheit. Aber man darf die Negativauswirkungen auch von Biowein nicht unterschätzen. Damit Wilhelm Busch‘ Weisheit

Rotwein ist für alte Knaben
eine von den besten Gaben

auch für die Gesundheit möglichst wenig Auswirkungen hat, ist es GRAZ ISST GRAZ an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass gewissenhafter Umgang mit dem eigenen Körper und den eigenen Bedürfnissen die Grundvoraussetzung jedes Konsums sein sollte. Denn auch Biowein und weißer Wein machen eine rote Nase!

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